Hody72
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7. Mai, 2011

Urlaub auf Kolumbianisch oder Colombia es pasión!

 

Bogotá

Bogotá

Was soll ich zu dem Tag nun sagen? Eigentlich war er irgendwie entspannt und auch irgendwie nett und irgendwie doch auch wieder nicht. Heute morgen waren wir erst mal verdutzt als unsere Nichte ganz allein zu Hause war, der Rest der Gastfamilie ausgeflogen. Keine Milch für Frühstücks-Cerealien und kein Brot im Haus. Also erst mal nachgesehen was der Kühlschrank hergibt, Würstchen, Käse, Arepas und Fruchtsaft – auch nicht übel. Während des Frühstücks traf dann die Haushälterin ein und ermahnte meine Nichte direkt zur Eile, sich zu duschen und fertig zu machen, damit beim Eintreffen der restlichen Bewohner direkt abgefahren werden könne.

 

Wir waren eigentlich der Meinung unsere Gastgeber würden erst gegen Abend in den Urlaub aufbrechen, doch der Plan schien geändert worden zu sein und hektisch trafen sie die letzten Vorbereitungen für den Abflug nach Miami. Dort ging der Direktflug von Bogotá aus hin um dann danach per Mietwagen nach Orlando zu fahren um sich mit Mickey Mouse und Co. zehn Tage zu vergnügen. Schon beim Umzug hatte ich die Seelenruhe bewundert die überhaupt keinen Stress aufkommen lies und auch nun war Gelassenheit angesagt. Die Koffer wurden mal schnell am Vortag gepackt und eben heute morgen hatte man noch kurz Besorgungen gemacht.  Kurz darauf brachen dann Schwägerin, Schwager und jeweils eine Tochter von jeder Seite auf zum Flughafen Eldorado von Bogotá.

Morgen steht uns der selbe Trip bevor und wir wurden heute noch darüber informiert, das bei internationalen Flügen drei (3!) Stunden zuvor eingecheckt werden muss, dazu kommt noch das hohe Verkehrsaufkommen in Bogotá am Wochenende weil keine Fahrverbot für bestimmte Autonummern mehr besteht. Wir werden für unseren Flug um 21:45 Uhr also schon gegen 17 Uhr aufbrechen müssen. Doch das ist morgen…

    Heute waren wir von einer Tante nebst Onkel zum Mittagessen eingeladen. Wir waren in einem schicken kolumbianischen Restaurant und haben lecker gegessen. Leider gab es mein geliebtes Punta De Anca nicht mehr, so daß ich aus Notwehr 600g feinstes Lomo verdrückt habe. Die Königin hatte Fisch und die Prinzessin hat sich an frittiertem Platano und Käsedip erfreut. Vor dem Essen hatte ich mir noch den Bart trimmen lassen – man will ja schliesslich hübschen sein und wir haben noch schnell ein Geschenk für die Patentante der Königin eingekauft, denn diese war unser nächstes Ziel.

    Vom schicken Ausgehviertel mit Bars, Restaurants und Discotheken ging es in eine etwas heruntergekommene Mittelklasse-Nachbarschaft. Mich erinnerte das ganze ein bißchen an Finglas in Dublin, wer einmal dort war, weiß was ich meine. Die Häuser müssen mal gut ausgesehen haben,  jetzt sah man ihnen die 30 Jahre an, die Grünflächen dazwischen lieblos mit einer Art Draht oder dünnem Stahlseil eingezäunt, auf der Wiese vor dem “Condominio” ein Acker mit Toren (Fußballfeld) dahinter friedlich grasende Kühe. So abstossend die Gegend auch auf mich wirkte, desto freundlicher waren die Leute im inneren der Häuser. Eine 3-Zimmer Wohnung mit recht kleinen Räumen, die Möbel genauso alt wie die Bewohner. Dunkles Holzregal mit Bildern von den mittlerweile erwachsenen Kindern. Die Patentante eine großgewachsene dunkle Frau mit ergrautem Kraushaar, dazu der Vater einer “Cousine” die ich aus New York kenne und seine Mutter, mit 92 noch recht rüstig. Eine Katze die das Interesse der Prinzessin weckt. Zuerst sitzen wir auf dem Sofa, die Patentante kocht Kaffee, die Tante sitzt am Tisch. Dann kommt der Vater der nicht blutsverwandten Cousine zurück, mit ihm trifft die Mutter der Tante und ein weiterer Onkel ein, er hat die rüstige alte Dame unter gehackt. Der Platz neben mir auf dem Sofa wird ihr zugewiesen. Sie fängt an zu reden, erzählt von ihren Kindern, fragt mich woher ich komme, wie alt die Tochter ist. Ich verstehe sie nur schwer und bemühe mich zu antworten. Sie redet weiter, ihre Hand auf meinem Oberschenkel und klopft darauf während sie lacht und weiter redet. Offenbar ist mein Spanisch nicht gut genug, ich blicke verzweifelt in die Runde, empfinde es als unhöflich nicht antworten zu können oder stupide immer nur “Si, Si” zu sagen. Man versichert mir, daß der Rest der Veranstaltung auch nicht alles versteht und daß die herzliche alte Dame immer wieder alles wiederholt. Dann wird ein Platz am Tisch frei und ich setzte mich dort hin – meine leere Kaffeetasse habe ich längst an die Patentante zurück gegeben.

      Die Königin sichtet die Fotoalben der Patentante, immer auf der Suche nach Bilder aus der eigenen Kindheit. Viel ist dort nicht zu holen, dafür sehe ich die mir bekannten Personen auf schwarz-weiß Bildern und geschätzte 30 Jahre jünger. Der Onkel bietet sich an und wir gehen über den Flur, drei Stockwerke höher und sichten weiteres Material. Am interessantesten ist es meine Schwiegermutter in den siebziger Jahren zu sehen. Aber auch hier ist nicht viel für die Königin zu holen. Mit dem Versprechen weitere Bilder zu suchen, werden wir verabschiedet.   Der Onkel der uns zum Essen eingeladen hat wartet mit seinem schwarzen Chevrolet Pickup schon wieder auf uns. An einer “illegalen” Siedlung mit halbfertigen Häusern und Wellblechverschlägen vorbei geht es über einen Hügel mit immens großen Häusern zurück Richtung Unterkunft. Es fasziniert mich wie nahe hier Armut und Reichtum zusammen hängen.

      Statt uns zu Hause, lassen wir uns wieder bei Carrefour absetzen. Ein Friseursalon ist das Ziel, Pediküre und Maniküre stehen für ein Drittel der Familie auf dem Programm, die Prinzessin und ich spielen währenddessen ausgelassen. Als wir endlich wieder in die Freiheit entlassen werden, haben wir alle Hunger und ich bekomme doch noch mein Punta De Anca an einem der Restaurant-Stände im Markt. Danach kaufe ich die versprochene Flasche Rum den es nur in Kolumbien gibt und den ich einem Freund versprochen habe.  Ein Taxi bringt uns nach Hause. Der Fahrer ist sehr freundlich, anfangs ein bißchen schwer für mich zu verstehen, er spricht undeutlich denn Gesicht ist von einer Verbrennung entstellt. Beim Aussteigen bemerkt das auch die Kleine und sieht ihn lange an, er bleibt freundlich und hebt sie auf den Boden.

      Sicher kein leichtes Schicksal und kein einfaches Leben, wie von Sovielen hier in einer Land in dessen Hauptstadt man viele riesige Shopping-Malls findet, Supermärkte deren Auswahl traumhaft ist, noble Restaurants und tolle Neubauten aber auch Pferde- oder Handwagen die Pappe und Plastik für das Recycling und ein paar Pesos sammeln, Obdachlose die an Straßenkreuzungen jonglieren oder von der Guerilla vertriebene Indios die mit kleinen Babies auf den Strassen betteln. Man merkt dann erst wie gut es einem eigentlich geht und wie schal und oberflächlich man eigentlich ist, wenn man sich an Neonleuchten stört, die an einer Seite mit Bierdeckeln fixiert sind damit sie funktionieren, an Geländern an die man sich als Gazelle wie ich besser nicht lehnt oder anderen kleinen Unzulänglichkeiten die wohl nur einem Deutschen auffallen können. Ich werde das Land und Bogotá trotzdem vermissen, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann hier zu leben und mein Kind hier großzuziehen. Der nächste Besuch ist schon für Dezember geplant, denn soll es auch in ein paar andere Städte gehen! Colombia es pasión!

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