Hody72
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9. Februar, 2012

The Power Of Love

Ich weiß gar nicht wie ich anfangen, was ich sagen soll. Auf der Heimfahrt habe ich die ganze Zeit über eine Überschrift gegrübelt und natürlich auch darüber was ich schreiben möchte, will und kann. Soll es ein Nachruf werden, ein Lobgesang, eine Anreihung von Anekdoten? Keine Ahnung, mein Kopf ist voll mit Gedanken, Eindrücken und Gefühlen. Es fällt mir schwer das alles zu begreifen, es nachzuvollziehen was passiert ist – die Realität zu akzeptieren.
Es waren so viele Jahre, so viele Dinge die man zusammen erlebt hat und so viele die man vielleicht noch hätte erleben können und bestimmt auch eine Ganze Menge die man im Nachhinein hätte machen sollen. So viele Worte die man gesagt und so manches das man besser auch nicht gesagt hätte. Ich denke an die Zeiten die wir erlebt haben, an die Sprüche, die Gesten an das was eine Person ausmacht. Die Vorzüge und vor allem die Ecken und Kanten weshalb man einen Menschen lieb gewinnt, an das was ihn ausgemacht hat, ihn einzigartig gemacht hat. So wie jeder von uns einzigartig ist.

Ich werde am Jahresende die 40 voll machen und der Gedanke, dass mein Leben in ein paar Jahren zu Ende sein könnte, grämt mich. Wie geht man mit der Endlichkeit unseres Daseins um? Wir alle wissen, dass wir irgendwann gehen müssen, aber man verdrängt diesen Gedanken dann ganz schnell, weil er einen sonst lähmt, fesselt und handlungsunfähig macht. Und doch ist die Existenz der irdischen Endlichkeit real, auch wenn wir das nicht realisieren wollen. Mein christlicher Glaube und das Wissen ein gerettes Kind Gottes zu sein, hilft mir dann manchmal ein bißchen, aber trotzdem macht es mir jedes Mal eine Scheißangst wenn ich darüber nachdenke.

Unbeschreiblich die Tatsache dass Eltern ihre Kinder beerdigen müssen und beeindruckend wie tapfer und tough Menschen doch mit Ihrem Schicksal umgehen, wie viel so ein Mensch doch wegstecken und verkraften kann. Ebenso beeindruckend wie der Kämpferqualitäten die mein Freund bis zum Ende gezeigt hat, der Lebenswille, der Winning Spirit, den er immer hatte. Zusammen mit seinem furztrockenen Humor, den lockeren Sprüchen und der gemeinsamen Liebe zur Musik, dem Sport und den Frauen war das was ihn ausgemacht hat. Ich kann das genaue Jahr nicht mehr sagen, aber es müssen mehr als 20 Jahre gewesen sein, und es kommt mir fast so vor als hätten wir uns schon immer gekannt, nur die Kindheit übersprungen. Wir haben zusammen gelacht, geweint, getrauert, getrunken, gegessen und so manche Erinnerung zaubert mir auch jetzt noch ein Lächeln aufs Gesicht. So wie das Bild mit Baseballcap, Ohrringen und dem spitzbübischen Lächeln das neben dem Sarg zu sehen war. Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich Tränen in den Augen, der Gedanke einen meiner Besten Freunde verloren zu haben, ihn nie mehr wiederzusehen und die Frage ob ich nicht vieles hätte besser machen können, gerade zum Ende macht mich traurig. Ich erinnere mich an die Telefonate die ich von Irland aus mit ihm geführt hatte, an den Tag an dem er mir von der Diagnose erzählte, wie ich ihn später hier besuchte als ich zu einem Vorstellungstermin wieder in Deutschland war und daran wie ihn zum letzten Mal in seiner Wohnung besucht hatte und wir auf dem Balkon in einer warmen Sommernacht saßen.


“The Power Of Love” von Frankie Goes To Hollyood leitete heute seine Beerdigung ein, er hatte ich das Stück für diesen “Anlass” ausgesucht und ich musste daran denken wie wir den damals noch gar nicht lange mit Aids diagnostizierten Holly Johnson auf der Popkomm getroffen haben. An diese verrückten Sommertag in Köln oder an die Fahrt nach Frankfurt um Nine Inch Nails zu sehen, es war damals sein lang gehegter Traum gewesen und es gab viel Lachen auf diesem Ausflug. Abgeschlossen wurde die kurze Trauerfeier von Nine Inch Nails – “Something I Can Never Have” – und es kam wie vor wie ein melancholischer Rückblick auf ein Leben auf der Suche nach Liebe, die immer so nah und ihm wohl gleichzeitig zu unerreichbar schien – dabei hätte doch gerade er mit seinem großen Herzen so verdient gehabt. Aber auch ohne Frau und Kinder ist spätestens nach dem heutigen Tage klar, dass er in den Herzen von vielen, vielen Menschen weiterleben wird und mit Sicherheit mehr geliebt wurde, als er es am Ende zu Glauben vermochte.

Mein Freund, mein Weggefährte, mein Geschäftspartner und vor allem Onkel Michi, ich werde Dich vermissen und bedanke mich für alles was ich durch Dich gelernt habe und erleben durfte, durch Dich ist mein Leben reicher geworden und zusammen haben wir Dinge erlebt, Musiker und Stars getroffen, von denen wir viel erzählen können und genau das will ich in Deinem Andenken tun. Ich habe gebetet dass der Krebs diesen Tag nicht kommen lässt und genau bete ich nun dass Deine Seele dort oben bei Gott ist. Du bist genauso stilvoll gegangen wie Du gelebt hast und von jemanden dem Musik immer so wichtig war wie Dir, kann man sich daher auch nur mit einem Songtitel verabschieden: ONLY THE GOOD DIE YOUNG!

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