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16. April, 2011

Avalancha

Uncut grass.

Image via Wikipedia

Die Uhr zeigt kurz vor Mitternacht, meine Lieben schlafen. Ich habe den Vorhang vom Fenster geöffnet, habe freien Blick auf die Nacht. Die Bäume spiegeln sich in der Scheibe, zart beleuchtet vom Licht der Wegstrahler. Durch den Spalt im Fenster dringt frische Nachtluft in meine Nase. Sie riecht so frisch, so unberührt und so beruhigend. Eben ging ein weiteres Licht im Nachbarhaus aus, die Häuserfronten sind dunkel, die Menschen entweder ausgegangen oder bereits im Bett. Es ist wie eine Art Lawine, eine Kettenreaktion. Nachdem das erste Licht erloschen und die erste Wohnung dunkel ist, folgt die nächste, die übernächste, bis schließlich alle Lichter aus und alle Wohnungen dunkel sind.

Nur ich leiste Widerstand, habe neue MP3s in den Player geladen. Winamp ändert mit jedem Song seine Farbe, das Skin – mein Komplize in dieser lauen Sommernacht. Eigentlich bin ich ziemlich müde, geschafft von diesem Tag, diesen Tagen. Eine weitere Lawine, die Kettenreaktion auf die Krankheit der Königin. Ich bin genervt, gestresst von der Situation. Wir wollen nächste Woche seit über 2 Jahren endlich mal wieder in den Urlaub und bisher ist nicht klar ob wir das können. Ich kann nicht zum Arbeiten gehen, das Kind muss versorgt werden, dabei wurde die Quarantäne für die Königin angerufen. Dazwischen der Hund, das Haus – staubsaugen, Gassi gehen, aufräumen, kochen, einkaufen, den Müll raus bringen abspülen und immer wieder abspülen! Manchmal glaube ich, dass ich mich, wenn mich eine Prinzessin küssen würde, direkt in eine Spülmaschine verwandeln würde. Dabei küsse ich meine kleine Prinzessin doch bei jeder Gelegenheit und es passiert nichts in der Richtung. Ich habe so gar keine Lust auf gar nichts, fühle mich müde, abgeschlagen und obwohl man es trotz der dicken Wampe nicht vermuten sollte, ist die Luft definitiv raus. Ich würde am liebsten permanent nur schlafen, doch der Rasen muss ja auch noch gemäht werden. Die nächste Kettenreaktion! Die ersten Sonnenstrahlen bringen wie Geisterhand Rasenmäher unter, auf oder neben die Balkone. Es war die Firma die die Grünanlage betreut, die als erstes gemäht hat, den Garten der behinderten Nachbarin. Ich hatte das monotone Surren des Highend Grasschneiders vernommen und musste noch am gleichen Abend feststellen, dass ihre Seite jetzt in gepflegten, bundesligatauglichen englischem Rasen erstrahlt, während daneben auf meiner Seite – welcome to the jungle! Eigentlich sind mir kleinbürgerliche Schamgedanken so fremd wie Plichtspielsiege für Arminia Bielefeld – aber manchmal überkommt es mich dann halt doch. Durch Wille und pure Körperkraft habe ich das Handicap meines 50 Euro Discounter Rasenmähers gegenüber dem Luxus-Schnibbler der Berufsgärtner dann wettgemacht und am Ende hatte das Gras zwar die gleiche Länge, aber auf Abseits pfeifen würde in meiner Spielhälfte deutlich schwerer werden…


Während gestern also vor allem die Physis beansprucht wurde, war heute dann die Psyche dran. Ich bin nur ganz schwer aus meiner Quarantäne-Station auf dem Sofa aufgestanden, wäre gerne noch Stunden dort verharrt, doch die Kronprinzessin wollte bewirtet, umgezogen, gesäubert, versorgt und nach ein paar Stunden in die Kita verbracht werden. Dazwischen noch eher lustlos gefrühstückt und das Lunchpaket für die Dame zubereitet. Prinzipiell wäre mein Ansinnen gewesen nun noch ein paar Stunden die Polsterung des Sofas zu testen, solange die Königin selbst im Bett verweilt, wäre das drin gewesen. Konjunktiv, denn sie war hellwach und nötigte mich dazu das auch zu werden – Kaffee! Die nächsten Stunden habe ich dann statt in der Horizontalen vor dem TV im Wohnzimmer verbracht. Eingeladen waren auch meine Freunde Excel, Internet und jede Menge Papierkram. Es galt noch ein paar Dinge zu kalkulieren, zu besprechen und Entscheidungen zu treffen. Dazwischen kochen und gezwungener Massen Nahrungsaufnahme, danach ungezwungene Nahrungsaufnahme von Bananenchips und Gummibärchens. Daheim zu sein ist furchtbar wenn es einem herumsiecht. Die nächste Avalancha aus Frust, Stress, Sorge und Langeweile melden sich alte Muster wieder an – Frustfressen! FDDB bewahrt mich zwar vor dem Schlimmsten, aber ich muss ich überwinden dort weiter fleißig buchzuführen.

Eine Stunde ist vergangen, draußen sind keine Lichter in den Häusern mehr zu sein, die Gehwegbeleuchtung setzt gelegentliche Lichtflecke in die Nacht. Meine Playlist ist bei Song 14 von 20 angekommen. Ich fühle mich erleichtert liebes Tagebuch, erleichtert, leer und froh dass Du meine Worte aufgesogen und mich davon befreit hast. Zwei Tage voller Sorge, Stress und Unzufriedenheit liegen hinter mir, mein Äußeres gleicht dem eines Penners und das Einzige an was mich erfreut ist die Zeit mit meiner Tochter – wenn ich mir wünsche Vater und Hausmann zu sein, wenn ich ins Bett gehe und trotz allem hoffe, dass sie mich viel zu früh weckt…

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